Die derzeitige Situation ist in mehrfacher Weise eine extreme Herausforderung und/oder Belastung für die ganze Familie:

  • Der Rahmen, mit Kindergarten oder Schule, Sportverein, Instrumentalunterricht oder Gruppenstunden fehlt im Alltag der Kinder. 
  • Eltern müssen nun auf ganz andere Art und Weise zwischen Kinderbetreuung, Kinder unterrichten, Freizeitprogramm und Arbeiten jonglieren.
  • Die Rückzugsmöglichkeiten und die sozialen Kontakte der Eltern und auch der Kinder sind stark eingeschränkt.
  • Sorgen um die Gesundheit der Familienangehörigen und Freunde und um finanzielle Absicherung überschatten den Alltag. 

Das ist eine belastende Situation für jeden in der Familie. Umso behutsamer, fürsorglicher und aufmerksamer müssen die Familienangehörigen miteinander sein. Jeder reagiert auf belastende Situationen anders. Gerade jetzt gilt es diese, verschiedene Reaktionen nicht zu bewerten und zu verurteilen. Diese Andersartigkeit sagt nichts über die Betroffenheit des jeweiligen Erwachsenen und Kindes. 

Tipps für den Alltag

Psychisch gesund durch den neuen Alltag: 

 

  1. Routine schafft Struktur in der neuen Situation. Tagespläne mit jeweils einer Spalte für Kind(er), Elternteil 1 und Elternteil 2 helfen. Struktur bedeutet Sicherheit für Erwachsene und Kinder. 
  2. Eine ausgewogene, regelmäßige Ernährung ist in dieser belastenden Zeit unabdingbar. Zu beachten ist der vermehrte Flüssigkeitsverbrauch des Körpers in Zeiten mit seelischem Stress. 
  3. In den Tagesplan müssen für jeden im Haushalt Anwesenden Zeiten der Ruhe und Erholung mit untergebracht werden. Wie diese Zeit gestaltet wird obliegt jedem selbst. Z.B. Spazierengehen, Sport treiben, lesen, schlafen etc. Diese Zeit dient dem Abschalten, deshalb ist es nicht ratsam in dieser wertvollen Zeit Nachrichten zu schauen/lesen/hören. 
  4. Es ist hilfreich die Informationsflut über Corona auf allen gängigen Kanälen einzudämmen. Es reichen 2 feste Zeiten am Tag, um sich über das Neueste zu informieren. Zuversicht und Wohlbefinden sind zwei wichtige Ressourcen, die es in belastenden Situationen zu stärken gilt. Dadurch wird nachweislich Energie freigesetzt um widrige Lebenssituationen zu meistern. Kinder übernehmen diesbezügliche die Einstellungen von ihren Eltern! 
  5. Eine ebenfalls wichtige Ressource für Erwachsene und Kinder sind soziale Kontakte - diese sollten aufrecht erhalten werden: Telefonate und Video Anrufe sind ebenso wichtig wie den Nachbarn über den Zaun zu grüßen, Menschen im Supermarkt anzulächeln und freundlich zu begegnen. Das aktiviert Hirnareale, die für Wohlbefinden sorgen. 
  6. Ebenfalls in den Tagesplan muss Bewegung und frische Luft integriert sein. Kinder brauchen täglich körperliche Aktivitäten um ausgelastet zu sein. Erwachsene benötigen Bewegung um zu ‚funktionieren‘. Bewegung sorgt für die Ausschüttung von Hormonen und Botenstoffen. Es macht den Menschen widerstandsfähig gegen Stress. (Tipps: Parcours bauen, Hüpfseil springen, Indoor Sport, Jägerstand suchen, Züge zählen, Schnitzeljagd, Rad fahren) 
  7. Für religiöse Menschen ist das Beten eine große Hilfe. Sorgen und Nöte können bewusst abgegeben werden. Ebenfalls können Gebete den Alltag strukturieren. 

 

Tipps gegen Langeweile: 

  • Backen
  • Frühjahrsputz, Kleiderschränke und Spielzeugboxen entrümpeln 
  • Zimmer/ Wohnung/ Haus umstellen, Wände farbig streichen (Equipement gibts im Internet)
  • Parcours bauen mit Hindernissen und Klettern, Balancieren, Schnitzeljagd gestalten
  • Basteln und malen
  • Gärtnern: Kresse etc. 
  • ‚Beauty Day‘ mit Mädchen 

 

 

Umgang mit Kindern

Kinder nehmen genau wahr, wie ihre Eltern und ihr soziales Umfeld mit der aktuellen Situation umgehen. Ihre Sorgen um die Gesundheit der Familienangehörigen und Freunde und um finanzielle Absicherung können auch beim Kind Gefühle von Verunsicherung und Angst hervorrufen. 

Jedes Kind wird mit der derzeitigen stressigen Situation anders umgehen. Manche Kinder reagieren mit  körperlichen Symptomen, manche bekommen Angst, werden aggressiv und nervös und wiederum andere zeigen gar keine Symptome. Das ist vollkommen normal. Es gibt keine Regel, wie sich Kinder in einer solchen Situation zu verhalten haben. Es gibt allerdings eine klare Regel, wie Eltern ihren Kinder in einer solchen Situation begegnen müssen: Verständnisvoll mit Zuwendung und Nähe, auch wenn sie anders mit der Situation umgehen. 

Deshalb ist es wichtig mit Kindern über die möglicherweise belastende Situation zu sprechen: 

  • Kinder brauchen klare, verständliche und altersgerechte Informationen, z. B. was Corona ist, darüber wie man einer Infektion vorbeugen kann oder warum Besuche bei den Großeltern und Freunden derzeit nicht möglich sind.
  • Kinder brauchen ehrliche Antworten in kindgerechter Sprache. Kinder merken oft, wenn Erwachsene nicht ehrlich sind, das kann zu einer zusätzlichen Verunsicherung führen. 
  • Kinder erfragen soviel, wie sie selbst verarbeiten können. 
  • Wenn Eltern auf eine Frage keine Antwort haben, können sie gemeinsam überlegen, wer ihnen weiterhelfen kann oder wie die Antwort aussehen könnte. 
  • Gefühle sind jederzeit erlaubt, gut und hilfreich. Das soll ihr Kind wissen und spüren. Deshalb ist es kontraproduktiv, wenn Eltern ihre Gefühle vor den Kindern verstecken. 

Corona für Kinder erklärt

Hygiene für Kinder erklärt

 

Kinder brauchen Zuversicht und Sicherheit: 

  • Eine positive Grundhaltung der Eltern vermittelt Kindern Zuversicht und Sicherheit. 
  • Kinder lernen von ihren Eltern. Wenn die Erwachsenen besonnen mit der Situation umgehen, werden die Kinder von ihnen lernen, wie Krisensituation gemeistert werden können. 
  • Kinder brauchen ihre Eltern auf unterschiedlichste Art und Weise: Z.B. zum Spielen, Kuscheln oder auch zum Abreagieren. ‚Dasein‘ ist die einzige stimmige Antwort in dieser Situation. 
  • Gewohntes ist so gut es geht beizubehalten. Zusagen müssen eingehalten werden. 

 

Am Ende des Tages können die 3 folgenden Fragen helfen, herauszufinden, was Kinder wirklich beschäftigt:

„Was hat dir heute am besten gefallen?“ 

„Was hat dir heute nicht gefallen?“

„Hast du noch irgendeine Frage an mich?“ 

 

Fantasiereisen und Meditationen für Kinder: 

Kinder reagieren auf neue, ihnen fremde Situationen häufig körperlich. Sie sind unruhig oder werden still oder ziehen sich zurück, brauchen viel Nähe, haben Bauch- und/oder Kopfschmerzen und Probleme beim Einschlafen. (...) Gezielte Übungen können dem Kind helfen zur Ruhe zu finden, z.B. Einschlafgeschichten für Kinder, aber auch meditative Geschichten für tagsüber. 

Folgend ein paar Beispiele mit jeweils einer kleinen Hörprobe. 

"Ella Eule und die erste Reise" - eine Einschlafgeschichte: Teil 1-4 zu finden auf YouTube

Hörprobe Teil 1:

 

"Meditationen für Kinder - Achtsames Sehen". Eine Meditation, welche Helfen soll, die Aufmerksamkeit der Kinder auf andere Dinge zu lenken, wenn 'viele Affen im Kopf tanzen': Teil 1-3 zu finden auf YouTube

Hörprobe Teil 1: 

Quarantäne

Die Quarantänesituation:

  • Ein Mensch, der potentiell das Coronavirus in sich hat oder tatsächlich in sich hat, kommt in Quarantäne, das heißt er wird nochmals mehr von seinem sozialen Umfeld abgeschirmt, als er durch die Ausgangsbeschränkung bereits ist: Er darf weder arbeiten, noch einkaufen oder spazieren gehen. Er muss innerhalb seiner vier Wände bleiben. Oftmals werden auch einzelne Familienmitglieder innerhalb der eigenen vier Wände separiert. 
  • Diese Quarantäne ist notwendig, um andere Menschen nicht anzustecken und die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. 

Zusätzliche Belastungen: 

  • Tatsächlich soziale Kontakte sind von Mensch zu Mensch ohne soziale Medien nicht mehr möglich. 
  • Der Mensch muss mit vielen Unsicherheiten leben. Die Gedanken umkreisen viele Fragen: Wie verläuft das Virus bei mir? Habe ich andere angesteckt? Habe ich bereits erste Anzeichen? Werde ich irgendwann ins Krankenhaus müssen? Wie schaffe ich das alleine mit den Kindern? Wie erkläre ich meinen Kinder, dass sie nicht mehr zu mir dürfen? Wie halte ich die Einsamkeit aus? 
  • Verunsicherung, Hilflosigkeit, Angst und das Gefühl von Kontrollverlust können von nun an den Tag bestimmen. 
  • Hilfe von außen muss organisiert werden: die alltäglichen Besorgungen sind nicht mehr möglich.

 

Dies alles stellt eine extrem belastende Situation dar. Jegliche Empfindungen und körperliche sowie seelische Reaktionen sind in dieser Ausnahmesituation völlig normal. Daher ist es besonders wichtig auf den Erhalt des eigenen psychischen Wohlbefindens zu achten.

  • Akzeptanz muss der erste Schritt sein. Unfreiwillig in häuslicher Quarantäne zu sein, kann viele verschiedene emotionale Reaktionen hervorrufen. Eine Akzeptanz kann zeitweise Ruhe verschaffen.
  • Bei dauerhafter Niedergeschlagenheit sollte frühzeitig Hilfe in Anspruch genommen werden: Familie oder das weitere soziale Umfeld können hier eine wichtige Ressource sein, aber auch Hilfestellungen von außen. Über Gefühle zu reden und sich jemandem anzuvertrauen kann eine erste Erleichterung darstellen.
  • Eine positive Grundhaltung und die Orientierung an Werten, die Halt geben (z. B. Familie, Glaube) aktivieren Zuversicht und Wohlbefinden und sind zwei wichtige Ressourcen, die es in belastenden Situationen zu stärken gilt. Dadurch wird nachweislich Energie freigesetzt um widrige Lebenssituationen zu meistern. Kinder übernehmen diese Einstellung von ihren Eltern. 

Praktische Tipps: 

  • In den Grundzügen gilt auch hier, was in „Tipps für den Alltag“ steht: Tagesplan erstellen, Indoor-Sport treiben, auf Ernährung und Trinken achten, sinnvolle Dinge erledigen, mental aktiv bleiben (lesen, Denkspiele, Quizzspiele), Informationen eindämmen …
  • Besondere Aufmerksamkeit muss allem gewidmet werden, was dem Menschen hilft Kontrolle und Handlungsfähigkeit hinsichtlich seiner jetzigen Situation zu erlangen. Hierzu gehört die genaue Planung des Tagesablaufes. Das nimmt das Gefühl der Handlungsunfähigkeit und zeigt viele Felder auf, die durchaus noch selbst bestimmt werden können. 
  • Auch Kinder werden eine ganze Sparte von Emotionen durchleben. Kinder können nichts für ihre Gefühle, deshalb muss ihnen mit Akzeptanz und wohlwollender Zuneigung begegnet werden. Sie werden eventuell eine Zeit brauchen, das alles zu begreifen und zu verstehen. Fragen werden sich wiederholen. Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen muss ihnen die jetzige, neue Situation kindgerecht erklärt werden. 
  • Das Erstellen und das Aufhängen eines Kalenders, an welchem Kinder am Abend zum Beispiel einen Tag durchstreichen dürfen kann für Kinder eine Hilfe sein ein Ende für die jetzige Situation wahrzunehmen. Es macht klar: Diese Situation geht vorbei. 
  • Entspannungsübungen können helfen, wenn das Gefühl der Angespanntheit nicht weichen will: Im Internet gibt es viele Hinweise,  Angebote und Anregungen dazu.

 

Wenn eine mir nahestehende Person jetzt im Krankenhaus ist

Ein Krankenhausaufenthalt von einem nahestehenden Menschen ist an sich eine belastende Situation. 

Durch die Corona Krise besteht nun die zusätzliche Problematik, dass Besuche in Krankenhäusern untersagt sind. Auch hier kann kreativ gedacht werden und Nähe und Verbundenheit in dieser menschlichen Katastrophe hergestellt werden. 

 

Wenn die nahestehende Person bei Bewusstsein ist, hilft das Handy. Es ist zwar schwer zu ertragen, für diesen Menschen nun körperlich nicht anwesend sein zu können und ihm nicht bei kleineren Dingen helfen zu können, aber eine innere Verbundenheit kann durch das Telefonieren und Video Telefonate hergestellt werden. Regelmäßige Verabredungen und Besprechungen am Telefon schaffen Sicherheit auf beiden Seiten und nehmen die Angst nicht über alles informiert zu sein. 

Wenn zuvor noch die Zeit dafür ist, dann empfiehlt es sich dem Anderen etwas Zeichenhaftes mit ins Krankenhaus zu geben, das die Verbundenheit symbolisiert (z.B. wichtige Erinnerungsdinge oder Dinge von denen fortan jeder einen Teil bei sich hat). 

 

Wenn die nahestehende Person nicht bei Bewusstsein ist, können Mitgaben für das Krankenhaus helfen, eine innere Verbundenheit herstellen. Hierfür eignet sich etwas, das beiden wichtig ist, das an etwas Gemeinsames erinnert oder vielleicht auch etwas, das sich teilen lässt, sodass jeder ein Teil für die Zeit im Krankenhaus bei sich hat.

Auch immaterielle Dinge wie das gemeinsame Lieblingslied oder Gebete können helfen. 

 

Siehe auch: Hilfe für Betroffene - Empfehlungen für den Umgang mit belastenden Ereignissen

 

Zwischen Tod und Beerdigung

Der Tod eines geliebten Menschen ist eine extrem belastende Situation und ein Einschnitt im Leben. Die Welt steht auf dem Kopf, sie dreht sich nicht mehr weiter … 

Angesichts der Corona-Krise, die den Menschen an sich bereits stark einschränkt, überkommt in dieser extremen Situation des Verlustes den Menschen eine noch viel größere Hilflosigkeit: 

  • Bei allen Einschränkungen, die der trauernde Mensch gerade erfährt, ist es enorm wichtig dem entgegenzutreten und nach Möglichkeiten der Gestaltung zu suchen.
  • Einen nahestehenden Menschen durch den Tod zu verlieren ist schwer zu begreifen. Möglicherweise sind Abschiedsnahmen im Krankenhaus nicht oder nur bedingt erlaubt und möglich. Dies führt dazu, dass das was geschehen ist noch schwerer zu verstehen ist. 
    • Ein Foto vom toten (!) Verstorbenen kann enorm wichtig bei der Trauerbewältigung sein. Auch wenn das Foto nicht gleich gesehen werden will, so kann es einerseits helfen die harte und traurige Realität zu begreifen und andererseits eine Abschiedsnahme ermöglichen. Es ist allgemein bekannt, dass eine Abschiedsnahme sich positiv auf den Trauerprozess auswirkt. 
    • ‚Ich kann das nicht wahrhaben, ich kann das nicht verstehen, ich glaube ich bin in einem Alptraum, ich stehe neben mir.‘ Dies sind ganz normale Reaktionen und Zeichen, dass der Mensch den Tod nicht begreifen kann. Eine bewusst gestaltete Trauerecke mit Fotos, Erinnerungen und Symbolen kann dabei eine Hilfe sein. 
    • Ebenfalls hilft, um das Geschehene besser einordnen und realisieren zu können, eine bewusste Abschiedsnahme-Feier.
    • Bei keinem dieser Punkte dürfen Kinder ausgeschlossen werden, auch sie brauchen einen Weg das Geschehene für sich zu begreifen. Kinder haben ihren eigenen Weg der Trauerbewältigung und gehen ihn meist intuitiv für sich richtig. Hinsichtlich Abschiedsnahme und Trauerecke kann gerade die Kreativität der Kinder für Erwachsene eine große Hilfe sein. Das wichtigste Dogma hier ist das Erklären. Kindern gehört erklärt, was der nächste Schritt ist. Kinder sagen dann genau was sie wollen und was nicht. Und sie erfragen und tun nur das, was sie verarbeiten können. Gerade die ‚sprunghaften‘ Emotionen und auch Reaktionen sind für Kinder völlig normal. 
  • Wichtige Dinge konnten eventuell nicht besprochen oder geklärt werden. Es bleibt einiges ‚offen‘ und ‚unausgesprochen‘. 
    • Ein Brief, in dem die Gefühle, Gedanken und Sorgen aufgeschrieben werden, kann entlastend sein. Dieser Brief kann verbrannt werden und als Rauch in den Himmel aufsteigen oder falls doch die Anwesenheit bei der Beerdigung möglich ist kann der Brief in das Grab mit hineingelegt werden. 
    • Die Trennungsgefühle können sehr überwältigend und schmerzhaft sein. Um eine gewisse Verbundenheit zu dem Trauernden herzustellen, empfiehlt es sich dem Verstorbenen etwas mit ins Grab zu legen.
  • Trauernde fühlen sich häufig ‚alleine‘, im Sinne von ‚sie fühlen sich nicht verstanden‘. Die Corona Krise begünstigt dieses Gefühl, da sie nun auch körperlich getrennt von ihren Familienangehörigen und Freunden sind. 
    • Die Anteilnahme der sozialen Kontakte an dem Tod des nahestehenden Menschen wird über die vorhandenen Medien geschehen. Wenn diese Anteilnahme bewusst angenommen wird, hilft es dem Trauernden die Situation besser zu realisieren. 
    • Das proaktive Herantreten an die vorhandenen sozialen Kontakte kann helfen, Ängste auf beiden Seiten zu nehmen. Um Kontakte aufrecht zu erhalten kann zum Beispiel einmal am Tag zu einer bestimmten Uhrzeit ein Termin zum Telefonieren/Videochatten vereinbart werden. 

 

Kindern sollte in extrem belastenden Situationen immer das Gefühl von Sicherheit vermittelt werden: 

Die 3 'R’s' die Kindern Sicherheit vermitteln: 

Routinen: Routinen strukturieren den Alltag. Gerade in turbulenten Zeiten können sich Kinder daran “festhalten“.

Regeln: Auf lange Sicht sollten bestehende Regeln beibehalten werden. Kinder verstehen so: Es ist etwas Schlimmes passiert aber da ist etwas, auf das ich mich verlassen kann. 

Rollen: Der Tod darf keinen Rollentausch verursachen ('jetzt bist du der Mann’, ‚jetzt bist du der Große‘). Dies stellt eine Überforderung des Kindes dar und eventuell einen Druck, vor dem es Angst hat diesem nicht gerecht zu werden. 

Trauernde Kinder in Zeiten von COVID-19 

Trauernde Jugendliche in Zeiten von COVID-19

 

Beerdigungen können, wenn überhaupt, nur noch in einem begrenzten Rahmen und mit wenigen Angehörigen stattfinden. Der grobe Rahmen wird vom Bund festgelegt. Die genaueren Regelungen bestimmen die Kommunen.

 

Ich brauche jetzt Hilfe

In lebensbedrohlichen, akuten Fällen:  112 

 

Psychologische Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen

https://bistum-augsburg.de/Seelsorge-in-besonderen-Lebenslagen/Ehe-Familien-und-Lebensberatung/

Bitte beachten Sie die jeweiligen telefonischen Ansagen auf den Anrufbeantwortern der einzelnen Beratungsstellen. Die einzelnen ortsabhängigen Beratungsstellen finden Sie auf der rechten Seite, der oben genannten Homepage. 

 

Telefonseelsorge Bistum Augsburg: 0800 - 111 0 111 und 0800 - 111 0 222

Krisentelefon in Akutkrisen und Notfällen: und : 0821 – 349 7 349

Hilfetelefon ‚Gewalt gegen Frauen‘: 0800 011 6010

Gebet

Guter Gott,
ich verstehe die Welt nicht mehr.
Alles ist durcheinander: Mein Tagesablauf, meine Beziehungen, meine Gefühle.
Manchmal denke ich, ich verliere den Halt unter den Füßen.
Ich mache mir große Sorgen und fühle mich allein.

Aber ich weiß: Du bist auch in dieser Zeit für mich da.
Und ich weiß: Viele Menschen setzen sich gerade besonders für unsere Gesellschaft ein.

Ich bitte dich:
Begleite alle Einsatzkräfte und alle Menschen, die in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen arbeiten.
Führe unsere Politiker und diejenigen, die wichtige Entscheidungen treffen müssen.
Stärke unsere Kranken und Sterbenden Menschen.
Tröste alle einsame Menschen und alle Trauernden.

Ich will auf dich vertrauen und deine Liebe weitertragen.
Schenke mir Mut und Zuversicht, damit ich voll Hoffnung in die Zukunft gehen kann.
Amen.

 

Bibel: Katastrophe, Krise, Schuld

Katastrophe, Krise, Schuld (von Dr. Nicole Katrin Rüttgers)

Katastrophe

Das Wort Katastrophe wird aus dem Lateinischen entlehnt und bedeutet dort: Vernichtung, Zerstörung. Der Ursprung des Wortes ist jedoch in der griechischen Sprache zu suchen und bedeutet „Zerstörung, Untergang, Schaden Verderben“.

Als Katastrophen bezeichnen wir v.a. die Naturkatastrophen und die von Menschen verursachten Notlagen, wie z. B. Krieg und Vertreibung oder ökologische Katastrophen. Dabei steht die Zerstörung oftmals an erster Stelle, manchmal auch ein Untergang (wie z. B. auch bei der Geschichte von Sodom und Gemorra; Gen 18,16–19,29) oder auch ein Schaden oder ein Verderben. Eine Katastrophe kann alle Menschen treffen: Ob arm oder reich, weiß oder schwarz, Christ, Jude, Moslem, Buddist, Hinduist, Atheist, einfach alle.

Katastrophen überraschen uns meistens, es gibt keine Vorwarnung oder nur sehr selten. Manches kann man voraussehen, manches nicht. Über die Corona-Pandemie sind wie in Deutschland schon früh informiert worden, aber die Tsunami-Katastrophe von 2004 in Thailand sah niemand kommen; genauso wenig wie das Erdbeben in Aquila, Italien, 2009 oder Überflutungen.

In Katastrophen gibt es meistens eine Soforthilfe, wie auch wir das gerade in Zeiten von Corona erfahren können, dabei wird erstmal geschaut, dass die Sicherung der grundlegenden Bedürfnisse gewährleitest ist. Wie das auch bei uns gerade der Fall ist: Alle Lebensmittelgeschäfte haben auf. Die Grundversorgung ist also gesichert. Dann geht es auch darum Starthilfen zum Wiederaufbau bzw. weiteren Vorankommen zu geben, denn viele Existenzen werden durch Katastrophen bedroht, wenn nicht sogar vernichtet.

In der Heiligen Schrift finden wir schon auf den ersten Seiten eine Katastrophe, die über die gesamte Menschheit hereinbricht. Alle kennen, wahrscheinlich noch aus Kindheitstagen, die Geschichte von Noah und der Sintflut. Als unwahrscheinlich beeindruckend steht uns das Bundeszeichen vor Augen, das häufig als Motiv für die Taufe hergenommen wird: Der Regenbogen. Der Regenbogen als Zeichen des Bundes zwischen Gott und den Menschen. Anlass für die Flut, so der biblische Bericht, war die Tatsache, dass die Erde voller Gewalttat war (vgl. Gen 6,11). „Gott sah sich die Erde an und siehe, sie war verdorben; denn alle Wesen aus Fleisch auf der Erde lebten verdorben“ (6,12). Gott ließ Noah eine Arche machen und erlaubte ihm seine Frau und seine Söhne und die Frauen seiner Söhne mit in die Arche zu nehmen und dazu noch alle Arten der Tiere, des Viehs, der Kriechtiere und er Vögel, jeweils zwei von jeder Sorte (7,13-16). Dann kam eine große Flut auf die Erde, die 40 Tage dauerte und Gott tilgte alles, was Lebensgeist atmete. Nichts war mehr übrig. Weil Noah aber ein gerechter und untadeliger Mann war (6,9), gedachte Gott des Noah sowie aller Lebewesen und Tiere, die mit ihm auf der Arche waren. Der Regen hörte auf und das Wasser verlief sich (8,1-3). Die Taube, die Noah aussandte, um zu schauen, ob sie schon etwas Grünes finden würde, ist ebenso allen so bekannt wieder Regenbogen. Die Taube mit dem grünen Zweig im Schnabel (8,11) ist ein Hoffnungszeichen und bis heute ein gern gesehenes Motiv. Nachdem Noah die Taube dann noch einmal ausgesandt hatte, kehrte sie nicht mehr zurück, d.h. sie hatte Neuland gefunden, einen Ort, wo sie eine neue Heimat finden konnte. Gott ließ Noah und alle Lebewesen und Tiere, die sich mit ihm auf der Arche befanden herauskommen und segnete sie. Er gab ihnen einen neuen Auftrag: „Seid fruchtbar, mehrt euch und füllt die Erde“. Im Anschluss daran, schloss Gott mit Noah diesen Bund: „Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch vom Wasser der Flut ausgerottet werden; nie wieder soll eine Flut komme und die Erde verderben“ (9,11). „Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch und den lebendigen Wesen bei euch für alle Generationen: Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Zeichen des Bundes werden zwischen mir und der Erde“ (8,12-13).

Die Geschichte Noahs beginnt tragisch: Gott sieht das Verderben auf der Erde und handelt. Er vernichtet alles Böse, alles Übel. Die Bibel erzählt uns an dieser Stelle eine zweite Schöpfungsgeschichte. Die Welt wird neu erschaffen. Gott vernichtet alles Böse, baut anschließend wieder etwas Neues auf und verspricht einen anhaltenden Segen. Die biblische Erzählung versucht eine Antwort darauf zu finden, warum das Volk Israel bzw. die Menschheit immer wieder gescheitert ist. Da steht das böse Verhalten gegen den Willen Gottes und das Gute, das er für den Menschen von Ewigkeit her gedacht hat. Es ist eine Geschichte von Bund und Verheißung. Von Verheißung und Erfüllung und die hängt nicht nur von Gott ab. Auch der Mensch muss seinen Beitrag leisten…

In Zeiten von Corona können wir nicht davon reden, dass Gott die Erde bestraft. Auf gar keinen Fall! Aber diese Katastrophe oder besser ist es, von einer Krise zu sprechen, kann uns zum Nachdenken bringen. Seit Wochen liegt etwas in der Luft. Ein Schatten hat sich auf viele Länder dieser Welt gelegt. Alle Menschen sind betroffen, jeder merkt eine Veränderung. Irgendwas ist anders. Und wie so oft, wurden wir quasi überrascht und auf einmal merken wir, dass nicht alles selbstverständlich ist, dass wir nicht alles kontrollieren können und das nicht alles sicher ist. Manche Menschen brechen in Panik aus, haben Angst, wirkliche, existenzielle Angst und damit muss man erst einmal umgehen lernen. V.a. in der Einsamkeit. In Zeiten, wo der direkte Kontakt zu Freunden verboten und das gemeinsame Gespräch und Lachen nicht mehr selbstverständlich ist. Auf einmal bekommt Freundschaft ein ganz anderes Gesicht. Auf einmal drängen sich mir Fragen auf: Wie gehe ich eigentlich mit der Natur um? Mit meinem Mitmenschen? Mit Gott? Hat Gott einen Platz in meinem Leben? Wie lebe ich? Wie gehe ich mit mir selber um? Ist es nicht wahr, dass wir gerade alle dabei sind, ein wenig zu entschleunigen? Uns auf das Wesentliche zu beschränken? Nutzen wir die Zeit und versuchen wir den Bund, die Taube, den Regenbogen in diesen Zeiten in unserem Leben zu finden. Gott lässt uns nicht allein.

Quelle: R. KASSÜHLKE (auf Basis von Nestle-Aland, Novum Testamentum Graece 27. Auflage), Kleines Wörterbuch zum Neuen Testament. Griechisch-Deutsch, (Deutsche Bibelgesellschaft; Freiburg 32001).

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Krise

Das Wort Krise kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Gerichtsverfahren, Verurteilung; Strafgericht; Strafe; Recht; Gericht, Gerichtshof“. Das dazugehörende Verb trägt die Bedeutungen „richten, Gericht halten; vor Gericht stehen / streiten; verurteilen; entscheiden; bestimmen, beurteilen; unterscheiden, vorziehen“.

Das, was wir uns aber unter Krise vorstellen, hat mit den soeben genannten Worten gar nichts zu tun. Aber schauen wir einmal genauer hin. Was bezeichnen wir heute als Krise? Eine akute Gefahr, die Lebewesen, die Umwelt oder auch Vermögen oder Unternehmen bzw. Institutionen bedroht. Dabei können die Krisen in drei Arten unterschieden werden: 1) Die Krisen, die zur Pleite führen; 2) die Krisen, die zu Skandalen führen (oftmals medial aufgegriffen werden v.a. Politiker, Stars oder Hochranginge Persönlichkeiten aus den Adelshäusern) und 3) Krisen, die im Alltagsgeschehen wahrgenommen werden und auch als Störungen bekannt sind. Dann gibt es auch noch ganz andere Krisen, persönliche Krisen, die im Stillen, im Geheimen auftreten. Das können Glaubenskrisen oder auch Krisen gesundheitlicher oder seelischer Art sein, v.a. auch bei Menschen mit psychischen Erkrankungen, z. B. bei Angst- und Zwangsstörungen. Kennzeichen einer Krise sind dabei die Folgenden: Gefühl von einer Bedrohung; Anstieg von Unsicherheit; Dringlichkeit; Zeitdruck und vieles mehr. Auf emotionaler Ebene können Verzweiflung, Wut und Zorn hinzukommen. Durch solche Krisen kann der Mensch an Grenzen kommen und zur Erkenntnis gelangen, dass er etwas tun muss. Das kann als Wendepunkt bezeichnet werden. Die Krise wird so zum Höhe- und Wendepunkt des Einzelnen und kann auch als solcher bezeichnet werden.

Ein Mann aus dem Alten Testament hat verschiedene Krisen erfahren. Einer steht mehr oder weniger paradigmatisch als der Leidgeplagte: Ijob. Sie kennen alle den Begriff: Hiobsbotschaften. Diese bekommen ihren Namen von genau dem Mann, der sehr viele Krisen durchmachen musste. Ihm werden die Söhne und Töchter genommen; ihm wird das Vieh genommen und am Ende auch die eigene Gesundheit (Ijob 1–2). Es ist immer ein Bote, der die Botschaft des Verlusts überbringt, daher sagen wie heute „Hiobsbotschaften“. Sie bedeuten nichts Gutes; sie haben als Inhalt meistens eine unheilvolle Nachricht. Wie hat aber Ijob das ausgehalten? Was hat er gemacht, um diese Krisen zu bestehen? Er tat Buße, setzte sich in den Staub und hielt Trauer, 7 ganze Tage lang. Er wandte sich an Gott. Er sprach mit Gott und konnte nicht glauben, dass das Unheil von ihm ausgegangen ist. Ijob hatte Vertrauen. Er gab nicht auf. Er schrieb keine theologischen Abhandlungen oder hielt hochtheologische Vorträge (wie das z. B. seine Freunde tun (Ijob 4–26; 32–37)), er wandte sich ganz einfach in seinen Gebeten an Gott. Er sprach mit Gott, nicht über ihn. Das war seine Weise mit den Krisen umzugehen und sie zu überstehen. Gott hat sein Gebet und Flehen nicht unerhört gelassen und ihn am Ende reichlich beschenkt (Ijob 42). Er hatte Gottesfurcht und Gottvertrauen, das hat ihm genügt. Vielleicht kann auch das uns einen Impuls geben unser Gottvertrauen wieder zu erneuern. Gott lässt uns nicht allein. Das hat er schon Mose am Dornbusch zugesagt (vgl. Ex 3,14) und er führt durch jede Krise hindurch. Er gibt uns die Kraft und steht uns zur Seite.

Eine andere Krise, die mir in den Sinn kommt, ist vielleicht die Vertreibung aus dem Paradies (Gen 3,24). Das war sicherlich ganz schlimm für Adam und Eva, biblisch betrachtet, aus dem Paradies verstoßen zu werden. Aber es war auch der Anfang für etwas Neues. Neue Entscheidungen, eine neue Welt – später in den Psalmen heißt es: Was ist der Mensch, das Du an ihn denkst? Des Menschen Kind, dass Du Dich seiner annimmst? Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, Du hast ihn mit gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit“ (Ps 8,5-6). Ist das nicht ein Höhepunkt? Ein Wendepunkt? Vom vertriebenen Adamsmenschlein wird er jetzt mit Pracht und Herrlichkeit ausgestattet. Gut, dass es diese Krise gab! So konnte Neues werden, Neues entstehen, neue Entscheidungen getroffen werden, Neues unterschieden und bestimmt werden. Was für eine Gnade! Ähnlich wird es wahrscheinlich auch Maria und Josef ergangen sein, als sie erfuhren, dass Maria vom Heiligen Geist schwanger ist (Mt 1,18-24). Ist das nicht etwas Wunderbares? Gott wird Mensch. Für Maria und Josef war dies im ersten Augenblick wahrscheinlich eine Krisenerfahrung, die sie zu bewältigen hatten, aber dann ein Neuanfang, Gnade, eine neue Geschichte. Heilsgeschichte.

Krisen können etwas Gutes bewirken! Sie stellen den Menschen vor Herausforderungen, damals wie heute. Aber wir können alle Krisen bewältigen. Wir können unser Vertrauen auf Gott setzten. Gott lässt uns nicht allein, er ist mit uns. Vertrauen wir IHM. Wenden wir uns an IHN. Wir schaffen das!

Quelle: R. KASSÜHLKE (auf Basis von Nestle-Aland, Novum Testamentum Graece 27. Auflage), Kleines Wörterbuch zum Neuen Testament. Griechisch-Deutsch, (Deutsche Bibelgesellschaft; Freiburg 32001).

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Schuld

Wenn ich an das Wort Schuld denke, kommen mir viele Wortverbindungen bzw. weitere Worte in den Sinn, die alle eine eigene Erklärung bedürften: Eigenschuld; Fremdschuld; Mitschuld; Verschuldung; Unschuld; Blutschuld; Sünde / Sünder; Schuld – in Moral und Ethik; Schuld – Vorwerfbarkeit einer Straftat; Schulden – Verbindlichkeiten; Schuldgefühl – bewusste oder unbewusste Überzeugung, etwas Falsches (Verstoß gegen eine Norm, gegen ein Gebot oder Verbot; das Nichterfüllen einer sittlichen oder moralischen Pflicht) getan zu haben; negatives Gefühl; mögliche äußere Anzeichen: Erröten, schwitzen, depressive Verstimmung; Fieber; Magenverstimmung; erhöhter Puls); oft verwechselt mit Angst und Scham, die auftretenden Symptome sind dabei die gleichen; Verschuldung – Vorwerfbarkeit eines zivilrechtlichen Delikts; Schuld – wird in der Ethik und Moral in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet: Verletzen von Interessen anderer Personen; in der Schuld von jemanden stehen, dabei geht es meistens um Dankbarkeit; Verstoß gegen das Gewissen – obwohl das bei allen anders ausgeprägt ist; Verstoß gegen das Recht; Wahlfreiheit – man kann eine Tat beeinflussen. Jeder Mensch hat die Freiheit zu wählen, eine Tat zu vollziehen oder nicht; Buße – Sühne – Reue – Wiedergutmachung, damit wird die Tat nicht ungesehen gemacht, aber in einer gewissen Weise „gerächt“ – obwohl von Rache nicht die Rede sein sollte. Die Schuld kann vergeben werden; Talions-Prinzip (Auge um Auge, Zahn um Zahn), da bei geht es nicht um die Legitimierung der Strafe, sondern um die Limitierung (Eingrenzung der Strafe).

Was sagt uns die Bibel zum Thema Schuld?

Interessant, dass im Alten Testament keine Unterscheidung zwischen Schuld und Sünde gemacht wird. Beim Thema Schuld wird, wie so oft im Alten Testament, von der eigenen Erfahrung ausgegangen. Das Alte Testament ist von der ganzheitlichen Sicht des Menschen geprägt und setzt unterschiedliche Akzente. Persönliche Verantwortung und objektive Verschuldung werden nicht eigens aufgezählt. Unterschieden wird zwischen der „Sünde aus Versehen“, für die Sühne möglich ist und der Sünde „mit erhobener Hand“, für die es keine Sühne gibt (vgl. Num 15,30). Die alttestamentliche Josefsgeschichte (Gen 37; 39-50) kann ein Beispiel dafür sein, wie in der Familie Schuld geschieht, mit Schuld umgegangen wird, Schuld aufgearbeitet und Schuld vergeben wird. V. a. ist sie eine hoffnungsvolle Geschichte. Nicht überall da wo Schuld geschieht, rennt man ins Verderben. Gott ist auch da dem Menschen nahe und kann Großes bewirken. Josef hat dies öfter erfahren.

Die Propheten sprechen v.a. da von Schuld, wo sie den häuslichen Kreis, d.h. die Familie, verlässt. Erinnern wir uns z. B. an Texte, wo es um Anklage und Sündenbekenntnis des Einzelnen oder des ganzen Volkes geht (Ps 50-51), wo Schuld zugewiesen und samt ihren Folgen übernommen wird. In genau so einen Rahmen ist innere Buße und Umkehr möglich (vgl. Hos 14,2; Jer 31,18-20 u.ö.). Das zeigt uns auch auf hervorragende Art und Weise der Prophet Jona, den alle wahrscheinlich wegen der Erzählung mit dem Walfisch kennen. Jona ging 3 Tage und Nächte durch Ninive und kündete da Strafgericht Gottes an; aber der König mit samt seinem Volk bekehrte sich und Gott wandte das Unheil ab.

Der Akzent liegt bei den Geschichten bzw. Schilderungen immer auf der Verantwortung, die der Einzelne vor Gott, und von da ausgehend auch für den Nächsten hat.

Im Neuen Testament bezeichnet Schuld den objektiven Tatbestand der Sünde im Sinn der Auflehnung gegen Gott bzw. gegen seinen Willen (Röm 5,12.13). Mit Schuld kann auch das Schuldigsein bzw. werden des Menschen in anderen Zusammenhängen zum Ausdruck gebracht werden. So lautet die 5. Bitte des Vater Unsers z. B. „Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben“ (Mt 6,12) und kommt nachweislich aus der Finanzwelt. Damit ist eine Verschuldung gegen Gott oder den Mitmenschen gemeint. Wir erinnern uns vielleicht an das Gleichnis Jesu mit den 10 000 Talenten. Ein Diener schuldete seinem Herrn 10 000 Talente und weil er das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen. Da fiel der Knecht auf die Knie und flehte den Herrn an: Hab Geduld mit mir! Ich werde Dir alles zurückzahlen. Da erließ der Herr dem Knecht die Schuld und ließ ihn gehen, weil er Mitleid mit ihm hatte. Als nun der Knecht gegangen war, traf er einen Mitknecht, der ihm 100 Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und sagte: Bezahl, was Du schuldig bist. Da fiel auch der Mitknecht auf die Knie und flehte um Geduld. Aber der Mitknecht wollte nicht, ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt hat. Mitknechte, die das Ereignis mitbekommen haben, gingen zum Herrn und berichteten ihm, was geschehen war. Daraufhin ließ der Herr den Knecht rufen und sagte zu ihm: Du elender Knecht! Deine ganze Schuld habe ich Dir erlassen, weil Du mich darum gebeten hast. Hättest Du nicht auch mit Deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit Dir Erbarmen hatte? (Mt 18,21-35). Schuldbekenntnisse und Anklagen liegen auch im Neuen Testament vor (Lk 15,18; Apg 19,18; Röm 1,18–3,20) und stellen v.a. die Verfehlungen gegen Gott und seiner unendlichen Liebe dar.

Quelle: Art. „Schuld“ in: LThK 9, 276-284.

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